Mittwoch, 9. Oktober 2019

Der Aufstand der einheimischen Blumen - Argentinien 9 Oktober 2019




#Jetzt #Dringend Argentinien; Buenos Aires : Indigene Frauen besetzen friedlich das Innenministerium. Sie fordern den Empfang beim Innenminister Rogelio Frigerio. Die Frauen gehören verschiedenen indigenen Nationen Argentiniens an und sind aus den Regionen in die Haupstadt Buenos Aires gereist, um ihre Forderungen mitzuteilen.


Indigene Frauen in Argentinien sagen BASTA zum Terrizid

Wir indigenen Frauen aus verschiedenen Konfliktgebieten, die diversen indigenen Nationen Argentiniens angehören, sind gekommen, um den Gedanken, das Wort und den Vorschlag zu überbringen, die aus dem Herzen der Erde hervorgegangen sind, das unter unseren Füßen schlägt. Dieses Herz beinhaltet die gesamte spirituelle Welt, die das Leben der Erde aufrechterhält und die wir gemäß den Stimmen unserer Völker auf unterschiedliche Weise benennen. Wir bekräftigen auch die territoriale Plurinationalität, die wir seit jeher gebildet haben. Wir haben uns einberufen, weil die Beamten verpflichtet sind, uns zuzuhören.
Wir sind Geberinnen und Hüterinnen des Lebens, und so wie eine Mutter zu ihrem Kind sagt: Basta, hör auf, sagen wir basta zu diesem kapitalistischen, rassistischen und patriarchalen System, das das Leben des Planeten gefährdet.
Durch uns spricht eine jahrtausendalte Kultur, die eine Art und Weise die Welt zu bewohnen entwickelt hat, die auf Gegenseitigkeit und Liebenswürdigkeit im Umgang mit der Natur basiert. Durch uns sprechen unsere Vorfahren und Ahnen, die Wächter dieser Weisheit waren und die uns mit viel Schmerz und Opfer ihr Wissen hinterlassen konnten. Durch uns spricht die Erde, diese Erde, mit der wir durch unsere Spiritualität verbunden sind, in unserer Art, das Leben zu verstehen. Wir ehren den Boden, auf den wir treten, und die Frucht der Erde, die uns nährt. Wir ehren die verschiedenen Lebensweisen und kommen mit Entschlossenheit, Mut und Würde, um zu sagen: Basta.
Wir beschuldigen Regierungen und Unternehmen des Terrizids, da sie unser Territorium töten. Wir bezeichnen nicht nur den Mord der Ökosysteme und Völker, die diese bewohnen, als Terrizid, sondern auch den Mord an allen Kräften, die wir als wahrnehmbares Ökosystem bezeichnen und die das Leben auf der Erde regulieren. Diese Geister sind dafür verantwortlich, dass das Leben auf der Erde weitergeht und sie werden zusammen mit ihrem Lebensraum zerstört. Es wird keine Möglichkeit geben, diese Ökosysteme zu reparieren und wiederherzustellen, egal wie viel aufgeforstet wird, oder Grünflächen geschaffen werden. Die Kräfte, die diesen Lebensraum bewohnten, werden für immer verschwunden sein. Noch haben wir Zeit, um dies zu verhindern!
Die Erde redet mit uns, wir sind ihre Sprecherinnen und überbringen ihren Schmerz.
Der Terrizid zerstört auch ganze Völker, die Wächter eines Verständnisses einer Lebenskunst sind, die notwendig ist, um eine neue Zivilisationsform entwickeln zu können. Wenn sie beseitigt werden, wenn indigene Völker getötet werden, wird auch die Möglichkeit getötet, ein neues Gesellschaftsmodell zu konstruieren. Jede und jeder von uns der indigenen Völker, kennt nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis von Gesellschaften, die in Reziprozität mit der Natur leben und für die das Leben als höchster Wert gilt.
In diesem Moment erheben sich in der Welt Stimmen gegen den Klimawandel. Stimmen, welche die Regierungen dazu aufrufen, eine Bremse zu ziehen. Stimmen, die aus Europa kommen und volles Gehör bei den Medien finden. Die globale rassistische Politik schafft es, dass die Stimmen der indigenen Völker unhörbar und unsichtbar bleiben, und unser Tod auf soziale Gleichgültigkeit stößt.


Wir indigenen Frauen sind die Körper, die am meisten unter diesen Gräueltaten leiden.
Zu unseren Männern sagen wir: Wacht auf! Unser antipatriarchaler Kampf ist ein antikolonialer Kampf. Überprüft euer Verhalten, das von dieser kolonisierenden, sklavenhaften, westlichen Mentalität durchdrungen ist, die uns Unterwerfung, Demütigung und Misshandlung gebracht hat. In der Vergangenheit waren wir immer eine komplementäre Dualität, die aus Gegenseitigkeit und Liebenswürdigkeit zwischen den Lebewesen besteht. Wir wollen diese Weisheit, die in uns wohnt, zurückgewinnen. In vielen unserer Gemeinschaften gibt es kein Wasser, um Kleidung zu waschen, müssen wir 3 oder 4 Kilometer laufen, das Kochen von Lebensmitteln für unsere Familie ist zu einer fast unmöglichen Aufgabe geworden, gestaute Flüsse, verschmutzte, zerstörte und ermordete Wälder.
Wir prangern den Staatsterrorismus an, den wir jeden Tag erleiden: willkürliche Festnahmen oder Razzien; das Verschwindenlassen von Menschen und Folter; Vertreibungen aus unseren Gemeinschaften, die einen Verstoß gegen unsere Rechte und Gesetze darstellen, die uns schützen. Ebenso wird eine vorherige, informierte Konsultation nicht eingehalten. Wir prangern auch die Militarisierung der Territorien an.
Historisch gesehen liegt es an uns, das Leben unserer Familien zu erhalten und zu retten, weshalb die Grausamkeit gegen indigene Frauen größer ist.
Während des zweiten Parlamentes der Bewegung indigener Frauen für ein gutes Leben wurde eine Umfrage durchgeführt, die den von uns erlittenen Femizid aufdeckt. In Argentinien leiden heute 8 von 10 indigenen Frauen unter Vergewaltigung, Missbrauch und körperlicher Gewalt. 7 von 10 erleiden Gewalt durch die Polizei und staatliche Sicherheitskräfte. 7 von 8 Frauen haben keinen Zugang zur Justiz. 5 von 8 vergewaltigten und getöteten Frauen sind ältere Menschen, in den meisten Fällen geistliche Autoritäten.
Wir haben einen langen Weg nach Buenos Aires zurückgelegt und Vorschläge mitgebracht, die unserer Ansicht nach dazu beitragen werden, den Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen und die Gerechtigkeit und Reziprozität zwischen den Völkern wiederherzustellen.
Wir sind dafür verantwortlich, Trägerinnen dieser Botschaft zu sein. Wir können nicht in unsere Gemeinschaften zurückkehren, ohne vorher gesprochen zu haben und ohne sicher zu sein, dass nicht nur die höchsten Beamten, die dieses Land verwalten, uns zugehört haben, sondern alle Völker der Welt, um gemeinsam das Konzept des “buen vivir“ (Guten Lebens) als Recht zu beschließen.
Das Leben der Territorien zu schützen, den Klimawandel einzudämmen, ist unsere Verpflichtung. Es ist unerlässlich, dass ein Teil der Vorschläge, die wir einbringen, in die politische Agenda aufgenommen wird, unabhängig davon, was bei den nächsten Wahlen passiert. Seien wir den diensthabenden Politikern gegenüber nicht unterwürfig.
Es gibt für uns keine individuellen Führungspersonen, sondern Völker, die in ihre Zukunft führen. Das Leben ist nicht verhandelbar!
Wir haben die Einführung eines Todessystems zugelassen, das die Menschheit denaturiert hat. Wir möchten euch daran erinnern, dass wir bei unserer Ankunft auf dieser Welt nichts mitbringen und auch bei unserer Abreise nichts mitnehmen werden, es bleiben nur die Spuren, die wir auf unserem flüchtigen Weg auf dieser Erde hinterlassen haben.
Wir bitten Sie, wachsam zu sein! Seid jetzt Hüterinnen und Hüter unserer Stimmen in dieser Stadt.
Wir beschließen den Aufstand der einheimischen Blumen.
Sie haben Terrizid gesät und werden Rebellion ernten!!!